Grauhörnchen

Immer wieder erreichen uns Anrufe und Mitteilungen von besorgten Menschen, mit der Frage, ob es in Deutschland bereits Grauhörnchen gibt.

 

Hierzu können wir ganz klar sagen: „Nein, es gibt keine!“

Alle Tiere, die in Deutschland als vermeintliche Grauhörnchen gesichtet werden, sind lediglich eine graue/dunkle bis schwarze Farbvariante des europäischen Eichhörnchens.

 

Bisher haben sich die Grauhörnchen nur in England und Italien angesiedelt, wobei Wissenschaftler erwarten, dass eine Überquerung der Alpen in 20 - 30 Jahren erfolgen könnte. Ein deutlich früheres Ansiedeln ist jedoch durchaus denkbar. (www.europeansquirrelinitiative.org/230506c.html)

 

Grauhörnchen stammen ursprünglich aus Amerika und wurden im 19. Jahrhundert in Großbritannien eingeführt bzw. bewusst angesiedelt, wo sie mittlerweile als invasive Art (Arten, die sich aggressiv und invasionsartig ausbreiten, gebietsweise dominant werden und dadurch andere Arten, Biotope und Ökosysteme stark beeinflussen und bedrängen) ein erhebliches Problem nicht nur für die Europäischen Eichhörnchen, sondern auch für den Laubbaumbestand (Rindenfraß) darstellen.

 

Das Europäische Eichhörnchen und das Grauhörnchen sind zwar nahe miteinander verwandt, zeigen aber in ihrer Lebensweise und ihrem Aussehen teilweise deutliche Unterschiede.

 

So werden Grauhörnchen ca. 30 Zentimeter groß und bis zu 700 Gramm schwer und sind damit ein Drittel größer als unsere heimischen Eichhörnchen. Ihr Fell ist grau, kann aber, wie beim Europäischen Eichhörnchen auch, farblich variieren und bis in ein dunkles Schwarz übergehen. Im Gegensatz zu unseren heimischen Eichhörnchen hat das Grauhörnchen zudem zu keiner Jahreszeit Pinsel an den Ohren.

 

Doch nicht nur die Größe der Grauhörnchen macht sie gegenüber der einheimischen Art konkurrenzfähiger. So ist es mit zwei kopfstarken Würfen im Jahr nicht nur vermehrungsstärker, sondern in der Nahrungswahl weniger wählerisch, findet angelegte Vorräte erfolgreicher, verzehrt auch schon unreife Eicheln und ist im Winter aktiver als das Europäische Eichhörnchen.

 

Diese Vorteile im täglichen Überlebenskampf haben schließlich dazu geführt, dass das Europäische Eichhörnchen in England mittlerweile nur noch in Nadelwaldgebieten im Norden des Landes vorkommt.

 

Das weitaus größere Problem stellt aber das sogenannte Parapox-Virus (sog. Eichhörnchen-Pocken) dar. Dieses wird zwar von den Grauhörnchen auf die einheimischen Vertreter übertragen, sie selbst erkranken aber nicht daran, sind also immun dagegen. Wird hingegen ein Europäisches Eichhörnchen infiziert (Übertragung erfolgt wahrscheinlich über eine nacheinander erfolgte Nutzung von Kobeln, oder Futterstellen) stirbt es innerhalb von 1-2 Wochen. Heute gelten fast 70% der Grauhörnchen als Träger des Virus, und da es keine Impfung gibt, stellt dies wohl die weitaus größte Bedrohung für die europäischen Eichhörnchen dar.

 

Das Beispiel in England und mittlerweile auch in Italien macht nicht nur deutlich, welche Schäden der Mensch mit seinem unüberlegten Handeln anrichten kann, sondern vielmehr, dass es sich ganz sicher nicht um Panikmache handelt, wenn wir unser europäisches Eichhörnchen als bedroht ansehen, denn vielerorts in England steht es kurz vor dem  Aussterben und könnte bis zum Jahr 2016 komplett aus Großbritannien verschwunden sein (Quelle Stern).

 

Obgleich einige Wissenschaftler der Meinung sind, dass der Kampf um das europäische Eichhörnchen bereits verloren ist, ist es unsere Pflicht nach Lösungen und Möglichkeiten zu suchen, um unseren einheimischen Vertreter zu schützen. Es wird vermutliche noch einige Jahre dauern, bis die ersten Grauhörnchen auch andere Teile Europas und damit auch Deutschland besiedeln, dennoch sollten wir die Zeit nutzen, denn es handelt sich hier nicht um eine nationale, sondern eine internationale Angelegenheit.

 

Für uns als engagierte Eichhörnchenschützer ist dies sicher ein schweres Unterfangen, denn wir verstehen uns auch als Tierschutz-Organisation, und letztlich ist es eine Gewissensfrage welche Mittel man wählt, um die weitere Verbreitung der Grauhörnchen einzudämmen. So ist in England die derzeit gängige Methode die Tiere zu vergiften oder in Lebendfallen zu fangen und anschließend zu erschlagen.

 

Unserer Meinung nach sollte zunächst und vor allem ein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung eines geeigneten Impfstoffes liegen, um so erst einmal das Hauptproblem der Verdrängung in den Griff zu bekommen.

 

Abschließend sei noch zu erwähnen, dass das Grauhörnchen in seiner ursprünglichen Heimat, wie dies bei allen eingeschleppten Arten der Fall ist, kaum oder keinerlei Schäden anrichtet.

 

© Sabine Bergner-Rust / Bianca Ludwig