Ordnung Nagetiere (Rodentia)

 

Die Rodentia sind die an Arten und Individuen reichste Ord- nung der Mammalia. In dieser Gruppe findet man Pflanzen- bis Allesfresser, denen allen ein kennzeichnendes Nagetier-gebiss zu Eigen ist. Dabei findet sich je ein Paar Schneide- zähne (Incisivi) im Ober- und Unterkiefer und, durch das Fehlen der Eck (Canini)- und Vorbackenzähne (Praemolare), eine darauffolgende große Lücke, das sog. Diastema.

 

Die Schneidezähne sind meisselförmig, wurzellos und somit ständig nachwachsend. Da die vordere Seite der Schneide- zähne von einem harten Schmelz überzogen ist, die hintere jedoch aus weicherem Zahnbein besteht, werden die Zähne durch die Benutzung ständig nachgeschliffen.

 

Durch eine Hauteinfaltung hinter den Schneidezähnen wird der Mundraum in einen Nage- und einen Kaubereich untereilt.Typisch ist der ausgeprägte Kaumuskel, der in Form einer breiten Wulst um die Außenfläche des Unterkiefers angelegt ist und damit den Nagetieren ihr markantes pausbackiges Gesicht verleiht.

 

Unterordnung Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)

  • bestehend aus sieben Überfamilien

 

Überfamilie Hörnchenartige (Sciuroidea)

  • bestehend aus der Familie der Stummelschwanz-hörnchen (vertreten mit nur einer Art und 7 Unterarten) und der Familie der Hörnchen (bestehend aus 49 Gattungen mit ca. 260 Arten)
  • Schwanz immer dicht behaart
  • Oberlippe gespalten, Nasenlöcher durch eine Furche getrennt
  • Tasthaare an den Händen, Sohlengänger
  • 22 Zähne, beide Unterkieferhälften gegeneinander sehr beweglich
  • Augen gut entwickelt, scharfsichtig
  • Nesthocker
  • Kein Vorkommen in Madagaskar, Australien und Polynesien

 

Familie Hörnchen (Sciuridae)

  • Bestehend aus den beiden Unterfamilien der Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae) und der Gleithörnchen (Petauristinae), wobei die Richtigkeit dieser Einteilung noch diskutiert wird

 

Gattung Eichhörnchen (Sciurus)

  • mit etwa 190 Arten und Unterarten die formenreichste Gattung in der Familie der Hörnchen
  • in Mitteleuropa ist das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) die einzige Art dieser Gattung

 

Art Europäisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)

  • weit über die Wald- und Steppengebiete Europas verbreitet, im Gebirge bis zu einer Höhe von etwa 2200 Metern
  • südliche Unterarten sind größer als nördliche
  • Schwanz zweiteilig behaart, buschig
  • auffällige Haarbüschel an den Ohren, diese aber nur im Winter gut entwickelt, wobei jedoch die Ausbildung je nach Einzeltier und mit dem Lebensalter erheblich wechselt
  • Färbung oberseits fuchsrot bis dunkel schwarz-braun, unterseits weiß
  • die Daumen sind rückgebildet und tragen einen Nagel, übrige Finger lang mit gekrümmten, scharfen Krallen
  • pro Jahr gibt es zwei Haarwechsel (Frühling/Herbst), wobei die Männchen zuerst in den Haarwechsel kommen und sich dieser im Gegensatz zu den Weibchen, die bis zur Geburt ihrer Jungen den Haarwechsel abgeschlossen haben, bis in den Sommer hineinzieht
  • Schwanzhaare und Ohrpinsel hingegen wechseln nur einmal im Jahr
  • die Tragzeit beträgt 28 bis 40 Tage, wobei zwischen drei und acht, meist 5 blinde und nackte Junge geboren werden

 

Die Systematik im Überblick

 

Stamm Chordatiere (Chordata)

Unterstamm Wirbeltiere (Vertebrata)

Klasse Säugetiere (Mammalia)

Unterklasse höhere Säugetiere (Eutheria)

Ordnung Nagetiere (Rodentia)

Unterordnung Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)

Überfamilie Hörnchenartige (Sciuroidea)

Familie Hörnchen (Sciuridae)

Gattung Eichhörnchen (Sciurus)

Art Europäisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)

 

                      © Sabine Bergner-Rust / Bianca Ludwig