Siebenschläfer

Jedes Jahr im Spätsommer häufen sich die Anrufe von Findern vermeintlicher Eichhörnchenbabys. Nach genauer Befragung des Gewichts, der Größe und des Aussehens des Tieres ist die Einordnung allerdings oft eine andere - nämlich Siebenschläfer (Glis glis) oder Bilch.

 

Tatsächlich werden diese Tiere, deren Habitus und Kletterfähigkeit sehr an ein junges Eichhörnchen erinnern, gerne und oft von Laien mit diesen verwechselt. Da der Siebenschläfer zudem in seiner systematischen Einordnung zu der Unterordnung der Hörnchenverwandten zählt, möchten wir im Folgenden etwas näher auf die Biologie dieser überaus possierlichen Tiere eingehen.

 

Der Siebenschläfer ist mit einer Körperlänge von 13-19 cm, einer Schwanzlänge von 11-15 cm und einem Gewicht von 80-120 g (im Herbst bzw. vor dem Winterschlaf sind sie fast doppelt so schwer) der größte Vertreter unter den heimischen Bilchen.

 

In Deutschland ist der Siebenschläfer vornehmlich im Mittelgebirgsraum zu finden, wobei er in der nordwest-deutschen Tiefebene völlig fehlt. Er bevorzugt Mischwälder mit Eichen, Buchen und Hainbuchen, meidet hingegen reine Nadelwälder weitgehend. Auffallend ist zudem das völlige Fehlen in reinen Buchen-Althölzern.

 

Man findet den Siebenschläfer aber auch in der Nähe von menschlichen Siedlungen, in Parkanlagen, Obst- und Weingärten.

 

Das Fell des Siebenschläfers ist grau und auf der Unterseite scharf abgegrenzt weiß. Da die Tiere dämmerungs- und nachtaktiv sind, sind besonders ihre stark vortretenden Augen, die von einem grauen Ring umgeben sind, charakteristisch. Seine Ohren sind rund und fast nackt und wie viele nachtlebende Tiere besitzt auch er ein überaus feines Gehör. Nicht weniger gut entwickelt ist zudem sein Geruchsvermögen, wobei allerdings sein Tastsinn die größte Rolle spielt.

 

Da der Siebenschläfer im Vergleich zu den anderen Bilcharten in noch höherem Maße ein ausgesprochenes Baumtier ist, kann er hervorragend klettern und bis zu einem Meter weit springen. Beim Klettern helfen ihm nicht nur seine Krallen, sondern auch die klebrigen Ausscheidungen seiner drüsenreichen Sohlen.

 

Auf dem Speiseplan der Siebenschläfer stehen vor allem Samen, Früchte und Insekten. Die Paarungszeit beginnt im Sommer und nach einer Tragzeit von ca. 30 Tagen kommt es zwischen Juli und September zu einem Wurf von 4-7 Jungen.

 

Nach ca. 1 ½ Monaten löst sich der Familienverband auf, nicht selten bleiben die Tiere aber noch über den Winter zusammen und trennen sich erst zur Paarungszeit wieder.

Siebenschläfer gelten allgemein als „teilsozial“, d.h. sie können solitär aber durchaus auch in lockeren Familien-verbänden leben.

 

Im Gegensatz zu den Eichhörnchen, die eine Winterruhe halten, verfällt der Siebenschläfer in einen Winterschlaf. Hier werden alle Körperfunktionen bis auf ein Minimum heruntergefahren. Die Körpertemperatur senkt sich von ca. 35° auf 3°C und die Herzfrequenz wird von 450 auf 35 Schläge pro Minute reduziert. In dieser Zeit leben die Tiere einzig von den gespeicherten Fettvorräten der Sommer-monate. So weisen Siebenschläfer vor dem Winterschlaf das Doppelte ihres normalen Gewichtes auf.

 

Der Winterschlaf setzt frühestens Ende September ein, was abhängig von einer ausreichenden Fettspeicherung ist und endet in der Regel in der ersten Maihälfte. Für den Winterschlaf wählt der Siebenschläfer Astlöcher, Specht-höhlen großer Laubbäume oder Felshöhlen; aber auch Scheunen und andere waldnahe Gebäude. Die meisten Tiere graben sich allerdings ins Erdreich auf eine Höhe von einem halben bis einen Meter tief ein.

 

Die Tiere haben in den letzten Jahren einen markanten Rückgang zu verzeichnen, was vor allem auf den stetigen Verlust ihres natürlichen Lebensraumes zurückzuführen ist. Hier spielen nicht nur die zunehmenden eintönigen Wirt- schaftsforste eine Rolle, sondern auch das Verschwinden hochstämmiger Obstbäume.

 

Der Siebenschläfer gilt als geschützte Art und darf so, genau wie das Eichhörnchen, nicht eingefangen, gehalten, gekauft oder verkauft werden. Wer einen verletzten oder jungen Siebenschläfer findet ist darüber hinaus gesetzlich verpflichtet diesen wieder in die Natur zurückzuführen.

 

Bei Siebenschläfern, die men- schliche Lebensräume nutzen und aus stichhaltigen Gründen gefangen und umgesiedelt wer- den müssen, ist dringend zu beachten, dass dies nur im April/ Mai erfolgen darf, da ansonsten schon Jungtiere vorhanden sein können.

Auch ist laut NABU zu bedenken, dass die Zukunft solch um- gesiedelter Tiere in einem neuen Lebensraum mehr als ungewiss ist. Siebenschläfer sind extrem ortstreu und bewegen sich in einem Revier von wenigen hundert Metern. Neben den mangelnden Kenntnissen darüber, wie gut sich Siebenschläfer in einer neuen Umgebung einfinden, kann man zudem nicht sicher sein, ob die entsprechende Gegend überhaupt für Siebenschläfer geeignet ist oder ob sogar be- reits Tiere vorhanden sind, die die Neulinge vertreiben könnten (siehe NABU Infoblatt „Siebenschläfer). Im Sinne der Tiere sollte man hier also auf eine Umsiedlung nach Möglich- keit verzichten.

 

Was tun, wenn man ein Siebenschläferbaby oder ein verletztes Tier gefunden hat?

 

Allgemein gelten hier, wie bei den Eichhörnchen, unsere Erste-Hilfe-Maßnahmen (siehe hierzu „Die 10 wichtigsten Schritte). Da wir uns gerne auch verwaisten Siebenschläfern annehmen, können Sie uns über unsere Notfall-Hotline jederzeit um Rat fragen oder um Unterbringung bitten.

 

Fressen die Tiere bereits selbständig, kann man ihnen neben sämtlichen Obst- und Gemüsesorten auch Hamsterfutter, Nüsse etc. anbieten.

Zum Herbst hin kann man die Tiere wieder auswildern, wobei sie vornehmlich dort freigelassen werden sollten, wo sie auch gefunden wurden. Dabei sollte ihnen für den Anfang ein geeigneter Nistkasten sowie Futtervorräte zur Verfügung gestellt werden.

Wichtig ist hier, dass sie ausreichend Fettreserven ange- fressen haben (Gewicht mind. 200g), um den Winter unbeschadet zu überstehen. Ob die Tiere gegebenenfalls überwintert werden müssen, hängt sicher von der jeweiligen Zeit und dem Tier ab und bedarf stets einer genauen Überprüfung. Laut NABU sind seine Überlebenschancen jedoch größer, wenn man ihn erst im folgenden Frühjahr wieder auswildert.

Behält man einen Siebenschläfer über die Wintermonate bei normalen Temperaturen im Haus, verfallen sie nicht in den Winterschlaf, wobei man günstigsterweise Sommertage, mit 14 Stunden Licht pro Tag, simulieren sollte.

 

Da ihr Bewegungsdrang enorm ist, ist ein ausreichend großer, naturnah eingerichteter Käfig mit vielen Beschäftigungs- und Be- wegungsmöglichkeiten von größter Bedeutung. Der Winter- schlaf in menschlicher Obhut ist mitunter etwas schwierig, da bestimmte Voraussetzungen ge- geben sein müssen. Prinzipiell eignet sich ein gleichmäßig kühler, vor allem trockener Keller, bei einer Temperatur von 0°-10°C. Ist es wärmer, wachen sie auf und müssen Futter und Wasser zur Verfügung haben. Ist es kälter, können sie erfrieren.

 

Sollten Sie Fragen rund um den Siebenschläfer haben, können Sie sich gerne mit uns in Verbindung setzen.

 

© Sabine Bergner-Rust / Bianca Ludwig

2009/2012