Körperbau und Sinne

Das Eichhörnchen gehört zweifellos zu den bekanntesten und beliebtesten Wildtieren unserer Heimat. Als geschickter Baumbewohner und fleißiger Futtersammler ist es von seinem Körperbau und seinen entwickelten Sinnen perfekt an seine Umwelt angepasst.

 

Körperbau

Das Eichhörnchen ist walzenförmig schlank und hat bei einer Körperlänge von 20-25 cm und einer Schwanzlänge von 16,5-20 cm ein Gewicht von 250-480 g. Die Ohren sind 2,5-3,5 cm lang und tragen im Winter auffällig lange Pinsel, wobei deren Ausprägung je nach Einzeltier und Lebensalter erheblich variieren kann.

 

Die Hinterbeine sind wesentlich länger und kräftiger als die Vorderbeine, Hand- und Fußsohlen sind mit Sohlenballen ausgestattet. Der Schwanz ist zweizeilig behaart, buschig und wird beim Sitzen meist über den Rücken gelegt. Die Färbung variiert oberseits von fuchsrot bis dunkel schwarzbraun und ist unterseits sauber abgegrenzt weiß (siehe hierzu auch Artikel „Farbvariationen“).

 

Innerhalb eines Jahres durchläuft das Eichhörnchen zwei Haarwechsel - eine Frühlings- und eine Herbsthaarung (siehe hierzu „Leben in der Natur“).

 

Der Daumen der Eichhörnchen ist rückgebildet, trägt einen Nagel, und dient beim Fressen dem Festhalten der Nahrung. Die restlichen Finger sind lang (der vierte Finger und die vierte Zehe sind am längsten) und enden in gekrümmten scharfen Krallen. Die Krallen der Hinterbeine sind ähnlich denen der Hände, jedoch kräftiger ausgebildet.

Die Oberlippe der Eichhörnchen ist gespalten und die Nasenlöcher sind durch eine Furche getrennt.

 

Eichhörnchen besitzen 22 Zähne, wobei die Nagezähne meißelförmig ausgebildet sind und eng zusammen stehen. Beide Unterkieferhälften sind gegeneinander sehr beweg- lich, wodurch die beiden unteren Nagezähne 2-3 mm gespreizt werden können. Dadurch können Nüsse auch durch ein kleines Loch in der Schale wie mit einer Pinzette herausgeholt werden. Hinter den Schneidezähnen klafft durch das Fehlen der Eck- und vorderen Backenzähne eine große Lücke (Diastema). Die Backenzähne sind bei Hörnchen bewurzelt und niederkronig mit abgerundeten Hügeln.

Klettern und Springen

 

Die meiste Zeit im Leben eines Eichhörnchens spielt sich in den Bäumen ab. Auch hierfür ist es perfekt ausgestattet, wobei der Schwanz eine große Bedeutung hat. Während des Kletterns im Geäst dient er als „Balancierstange“, bei den Sprüngen als Steuer und „Schwebefortsatz“. Beim Schlaf dient er als Wärmeschutz und bei der Balz als optisches Signal.

 

Die vier Finger dienen ihnen als „Greifzehen“ und mit den fünf kräftigen Zehen und ihren Krallen können sich Eichhörnchen hervorragend an der Baumrinde festhalten.

Zudem finden sich seitlich am Körper und an den Außenseiten der Gliedmaßen, Sinneshaare, mit denen die Tiere bereits auf gewissen Entfernungen Äste und Zweige wahrnehmen können. Stammaufwärts schlagen die Tiere in typischer stoßweiser Bewegung gleichzeitig die Krallen beider Vorder- oder beider Hinterbeine in die Rinde.

Stammabwärts klettern Eichhörnchen kopfüber nach unten und haken dabei mit den Krallen der rückwärts vorgestreckten Hinterbeine in die Rinde. In kleinen Abständen lösen sie diese Verankerung und greifen mit den Vorderpfoten vor. Auf diese Weise entsteht ein holprig-gleitendes Rutschen nach unten.

 

Das Springen von Baum zu Baum wird durch den Schwanz, der teilweise als Fallschirm, besonders aber zur Erhaltung des Gleichgewichtes dient, stark gefördert. Insgesamt ist das Eichhörnchen neben dem Baummarder der geschickteste Kletterer unter den europäischen Säugetieren.

 

Sprünge und Laufen auf der Erde

Längeres Laufen auf dem Boden wird stets vermieden, da die Tiere hier meist schutzlos ihren Feinden ausgeliefert sind. Auf der Erde bewegen sich Eichhörnchen nicht nur laufend, sondern auch hüpfend und dies sehr geschickt und grazil. Die Länge der einzelnen Sprünge schwankt dabei zwischen 30 und 90 cm.

 

Sinnesorgane und Sinnesleistungen

Unter den Sinnesorganen spielt das Auge eine große Rolle. Eichhörnchen sehen scharf, haben ein weites Blickfeld und können ihr Auge gut auf eine bestimmte Sehentfernung einstellen. Durch den besonderen Bau der Netzhaut kann das Eichhörnchen senkrechte Objekte hervorragende wahrnehmen, was wiederum als optimal Anpassung an das Leben in Bäumen anzusehen ist. Entfernungen werden durch Heben und Senken des Kopfes abgeschätzt.

 

Der Tastsinn ist durch borstenartige Sinneshaare am Kopf (Schnurrhaare), Hand- und Fußwurzeln, den Außenseiten der Arme, der Unterseite des Körpers und an der Schwanzwurzel besonders ausgeprägt. Die Tasthaare ermöglichen den Tieren stets den richtigen Abstand von Hindernissen zu erfassen und bei ihrem Baumleben den direkten Kontakt zur „Unterlage“ zu halten. Hinzu kommen angeborene Klammerreflexe, die ein Abstürzen verhindern.

 

Dank ihrer extrem feinen Nase können sie eine vergrabene Nuss noch unter 30 cm hohen Schnee erschnüffeln. Auch können sie am Geruch einer Nuss erkennen, ob diese noch verzehrbar ist.

 

© Sabine Bergner-Rust / Bianca Ludwig