Gefahr Forstwirtschaft

Eines der häufigsten Gründe, warum Eichhörnchenjungtiere in Not geraten, sind Baumfällarbeiten nach Stürmen oder im Zuge forstwirtschaftlicher Waldnutzung. Meist überleben die Tiere in ihrem Kobel den Fall des Baumes und werden, wenn sie Glück haben, von ihren Müttern zurückgeholt oder von Waldarbeitern bzw. Angestellten von Baumfällfirmen entdeckt und gerettet.

 

Dass der natürliche Lebensraum der Eichhörnchen oft nicht vorhersehbare Gefahren birgt, kann man vielerorts in den Wäldern nach Stürmen und forstwirtschaftlicher Nutzung gut beobachten. So werden z.B. häufig gesunde Bäume bei Stürmen von entwurzelten Bäumen mitgerissen bzw. im Zuge von Aufräumarbeiten beschädigt oder gefällt.

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Hinzu kommt die ganz allgemeine wirtschaftliche Nutzung unser Wälder, die natürlich das Fällen gesunder Bäume und den späteren Verkauf dieser beinhaltet. Eine Gefahr auf die Tiere, wie z.B. das Eichhörnchen kaum reagieren können.

 

Hinzu kommt die Problematik, dass auch in der Forstwirtschaft die zunehmende Technisierung immer mehr Einzug hält und die Überlebenschancen von Waldbewohnern und ihren Jungtieren erschwert.

 

Wo bis vor einigen Jahrzehnten noch sogenannte Rückepferde zum Einsatz kamen und Bäume manuell mit Sägen gefällt wurden, sieht man heute vielerorts schweres Gerät, dass nicht nur den Wald mit Lärm und Abgas verpestet, sondern auch Waldboden und Tiere schädigt bzw. gefährdet.

 

Doch haben bei der herkömmlichen Methode, Bäume mit Kettensägen zu fällen, Eichhörnchenjungtiere zumindest noch eine Chance zu überleben, da die Bäume nach dem Fällen nicht unmittelbar weiterverarbeitet werden und die Tiere so von der Mutter oder dem Menschen noch entdeckt und gerettet werden können.

 

Durch den Einsatz von sogenannten Holzvollerntern (auch Harvester genannt) besteht diese Chance allerdings nicht mehr. Denn hierbei handelt es sich um Maschinen, die das Holz in einem Arbeitsgang innerhalb weniger Minuten Fällen, Entasten und Zerkleinern. Hier hat kein Jungtier mehr eine Chance auf Rettung, denn was nicht in dem Holzvollernter- Kopf den Tod findet, wird von den schweren Baggerrädern platt gewalzt. Zudem müssen sogenannte Rückewege angelegt werden, denen zusätzlich Bäume inklusive ihrer Bewohner zum Opfer fallen.

 

Obgleich man sich vielerorts wieder auf eine naturnahe Forstwirtschaft besinnt und so z.B. auch Rückpferde wieder ihren Einsatz finden, wird die zunehmende Technisierung in der Forstwirtschaft wohl kaum aufzuhalten sein. Denn letztlich handelt es sich hier um einen Wirtschaftszweig, wo Tiere und Natur zweitrangig sind und kostengünstige und effektive Verarbeitungstechniken, ohne Rücksicht auf Brut- und Jungtierzeiten im Vordergrund stehen.

 

 

© Sabine Bergner-Rust / Bianca Ludwig

2008